by Alexander Lettner

Published On: 11. Oktober 2026

by Alexander Lettner

Published On: 11. Oktober 2026

Die Wissenschaft hinter guten Ideen · Kontinuierliche Innovation und Beteiligung

Innovation ist kein Workshop

Warum ein gelungener Innovationsworkshop noch keinen Innovationsprozess schafft, was nach dem Ereignis über die Umsetzung entscheidet und wie Organisationen lernen, auch mit der nächsten Idee etwas anzufangen.

Wissenschaftlicher Fachartikel · Themen: Ideenmanagement, kontinuierliche Innovation, Mitarbeiterbeteiligung, organisationales Lernen

1. Einleitung: Dienstag, 9 Uhr – Innovationsworkshop

Am Dienstag um neun Uhr beginnt der Innovationsworkshop. Ein Raum wurde reserviert, das Tagesgeschäft für einige Stunden ausgeblendet und an den Wänden ist bereits Platz für die Ergebnisse geschaffen worden. Menschen aus unterschiedlichen Bereichen kommen zusammen, diskutieren Probleme, entwickeln Lösungen und füllen innerhalb weniger Stunden erstaunlich viele Post-its. Am Ende werden die besten Ideen präsentiert, die Ergebnisse dokumentiert und die Wände fotografiert, bevor am Mittwoch wieder der normale Betrieb beginnt.

Diese Szene ist zugespitzt, beschreibt aber einen verbreiteten organisatorischen Widerspruch: Unternehmen wünschen sich kontinuierliche Innovation, organisieren Beteiligung daran jedoch häufig als punktuelles Ereignis. Das Ereignis schafft Sichtbarkeit, Energie und für kurze Zeit eine gemeinsame Sprache. Ob es auch die Bedingungen verändert, unter denen Ideen im Alltag entstehen, aufgenommen und umgesetzt werden, ist eine andere Frage.

Daran ist zunächst nichts falsch. Workshops bündeln Aufmerksamkeit, unterbrechen Routinen und bringen Menschen zusammen, die sich im Arbeitsalltag selten begegnen. Problematisch wird es erst, wenn die Organisation das Innovationsereignis mit dem Innovationsprozess verwechselt. Menschen beobachten Probleme und entwickeln Lösungsansätze schließlich nicht nur dann, wenn ein Termin im Kalender steht.

Am Mittwoch entsteht womöglich die 41. Idee, obwohl die Veranstaltung bereits vorbei ist. Gleichzeitig warten die 40 Ideen vom Vortag auf Rückmeldung, Weiterentwicklung und Entscheidungen. Der Unterschied zwischen einem gelungenen Workshop und einem funktionierenden Ideenprozess zeigt sich daher nicht nur an der Qualität des Veranstaltungstags, sondern an der Fähigkeit der Organisation, danach weiterzuarbeiten.

Forschungsfrage: Wie wird aus punktueller Beteiligung ein kontinuierlicher Innovationsprozess? Kontinuierlich bedeutet dabei nicht, dass Mitarbeitende ständig neue Ideen produzieren müssen, sondern dass eine Organisation wiederholt in der Lage ist, Ideen aufzunehmen, weiterzuentwickeln, zu bewerten und aus ihrem Umgang mit ihnen zu lernen.

2. Theoretische Grundlagen: Eine Idee ist noch keine Innovation

Die Unterscheidung zwischen Ideengenerierung und Umsetzung ist grundlegend. Eine kreative Idee kann wertvoll sein und dennoch niemals zur Innovation werden. Baer (2012) zeigte, dass der Weg von kreativen Vorschlägen zur tatsächlichen Umsetzung von weiteren Bedingungen abhängt, darunter Motivation, Netzwerkfähigkeiten und unterstützende Beziehungen. Die Güte eines Einfalls ersetzt nicht die organisatorische Fähigkeit, daraus Handeln zu machen.

Ein Workshop kann für die Generierung neuer Ideen ausgesprochen hilfreich sein: Menschen erhalten Zeit, Probleme neu zu betrachten und gemeinsam Lösungsansätze zu entwickeln. Nach dem Workshop müssen diese Ansätze jedoch verstanden, ergänzt, auf Relevanz geprüft und gegebenenfalls mit Ressourcen ausgestattet werden. Einige Ideen werden umgesetzt, andere verändert und wieder andere begründet verworfen. Die Frage verschiebt sich damit von der einzelnen Idee auf die Organisation: Kann sie wiederholt etwas mit guten Ideen anfangen?

High-Involvement Innovation: Beteiligung als Fähigkeit

Bessant und Caffyn (1997) betrachten kontinuierliche Verbesserung und breite Beteiligung nicht bloß als eine Folge einzelner kreativer Leistungen, sondern als etwas, das Organisationen systematisch entwickeln können. Ihr Ansatz der High-Involvement Innovation lenkt den Blick auf Routinen, durch die Menschen wiederholt Probleme identifizieren, Verbesserungsvorschläge einbringen und an deren Bearbeitung beteiligt werden. Nicht der einzelne Geistesblitz, sondern die Verlässlichkeit solcher Routinen wird damit zum Gegenstand der Organisationsgestaltung.

Diese Forschung bezieht sich stark auf kontinuierliche Verbesserung. Sie darf nicht mit der Behauptung verwechselt werden, dass radikale Innovationen auf dieselbe Weise entstehen oder sich vollständig in Routinen überführen ließen. Gerade ungewöhnliche Ideen benötigen mitunter Schutzräume, Freiraum und längere Phasen der Exploration. Ein kontinuierlicher Prozess muss deshalb offen genug sein, unterschiedliche Arten von Ideen aufzunehmen.

Kontinuität zwischen Exploration und Tagesgeschäft

Boer und Gertsen (2003) beschreiben den Übergang von kontinuierlicher Verbesserung zu kontinuierlicher Innovation als anspruchsvolle organisatorische Aufgabe. Unternehmen müssen Neues erkunden und zugleich ihr bestehendes Geschäft zuverlässig betreiben. Diese Anforderungen konkurrieren um Aufmerksamkeit, Zeit und Ressourcen. Eine Organisation kann nicht beliebig viele neue Vorhaben starten, ohne die Leistungsfähigkeit des Tagesgeschäfts zu berücksichtigen; sie kann sich aber auch nicht dauerhaft ausschließlich auf bestehende Abläufe konzentrieren, wenn sie sich weiterentwickeln will.

Zur Forschungslage: Die betrachteten Arbeiten untersuchen unterschiedliche Kontexte – kontinuierliche Verbesserung, Innovationswettbewerbe, kleinere Unternehmen und webbasierte Ideenmanagementsysteme. Aus ihnen folgt keine allgemeingültige Regel, dass kontinuierliche Formate punktuellen Workshops überlegen wären. Sie helfen vielmehr, die unterschiedlichen Leistungen von Ereignis, Anschlussprozess und organisationalem Lernen auseinanderzuhalten.

3. Was die Forschung zeigt: Der Workshop ist nicht das Problem

Ein Ereignis kann viel bewirken – und dennoch zu wenig verändern

Eine randomisierte Untersuchung von Azzolini und Kollegen (2025) mit 190 kleinen und mittleren Unternehmen aus sieben europäischen Ländern untersuchte einen dreitägigen Design-Sprint-Wettbewerb. Die Teilnehmenden verbesserten ihr Wissen über Designmethoden und ihre wahrgenommene Fähigkeit, diese anzuwenden. Eine signifikant höhere Absicht, die Methoden später tatsächlich zu übernehmen, zeigte sich durch die Intervention jedoch nicht.

Dieses Ergebnis macht den Workshop nicht wertlos. Es zeigt vielmehr, dass kurzfristiges Lernen und spätere organisatorische Anwendung unterschiedliche Ergebnisse sind. Wer in einer Veranstaltung neue Methoden kennenlernt, verfügt danach nicht automatisch über freie Kapazitäten, Entscheidungsspielräume oder eine Organisation, die entsprechende Veränderungen unterstützt. Strukturelle Hindernisse wie knappe Ressourcen, Risikoaversion oder Skepsis verschwinden nicht allein durch ein gut gestaltetes Ereignis.

Die Übertragbarkeit ist begrenzt: Untersucht wurde ein bestimmter Design-Sprint-Kontext in kleinen und mittleren Unternehmen und insbesondere die Absicht zur späteren Anwendung. Daraus lässt sich nicht ableiten, dass Workshops im Allgemeinen keine Umsetzung auslösen. Wohl aber wird deutlich, dass die Wirksamkeit eines Workshops an mehreren Stellen gemessen werden muss – nicht nur an der Zufriedenheit der Teilnehmenden oder der Anzahl entstandener Ideen.

Der eigentliche Engpass beginnt am Tag danach

Stellen wir uns vor, ein Workshop bringt 40 interessante Ideen hervor. Unmittelbar danach beginnen andere Aufgaben: Wer reagiert auf die Einreichungen? Wer kann sie fachlich weiterentwickeln? Wer prüft, welche Vorschläge bereits anderswo verfolgt werden? Wer priorisiert unter begrenzten Ressourcen, und wer erklärt den Ideengebern, warum eine Idee weiterverfolgt oder vorerst zurückgestellt wird?

Solange diese Aufgaben nicht geklärt sind, kann ein erfolgreicher Workshop einen Bearbeitungsstau erzeugen. Je mehr Vorschläge gesammelt werden, desto größer wird die Menge unerledigter Erwartungen. Beteiligung erzeugt dann nicht automatisch Fortschritt, sondern unter Umständen Frustration, weil Mitarbeitende zwar eingeladen werden, ihre Beobachtungen einzubringen, anschließend jedoch kaum erfahren, was damit geschieht.

Ein punktuelles Format öffnet ein zeitlich begrenztes Fenster für Beteiligung. Ein kontinuierlicher Innovationsprozess stellt dagegen sicher, dass Beteiligung und Weiterverarbeitung nicht ausschließlich von diesem Fenster abhängen. Das bedeutet nicht, jede Idee jederzeit vollständig zu bearbeiten. Es bedeutet, Zuständigkeiten, Rückmeldungen und nachvollziehbare nächste Schritte auch außerhalb von Veranstaltungen zu ermöglichen.

Wiederholung kann aus Feedback Lernen machen

Ein besonders wichtiger Unterschied zeigt sich über die Zeit. Lehmann, Beretta, Dao und Ebersberger (2025) analysierten 1.143 Ideen aus einem webbasierten Ideenmanagementsystem über fünf Jahre und ergänzten die Analyse durch ein Experiment. Ihre Ergebnisse weisen darauf hin, dass Feedback nicht nur für die jeweils diskutierte Idee relevant sein kann: Bestimmte Formen positiven und konstruktiven negativen Feedbacks hingen auch mit dem späteren Erfolg zukünftiger Ideen zusammen.

Damit gewinnt Feedback eine zusätzliche Funktion. Es begründet nicht nur, warum ein aktueller Vorschlag weiterverfolgt wird oder nicht. Es kann Ideengebern auch Hinweise geben, welche Probleme für die Organisation relevant sind, welche Annahmen überprüft werden sollten und wie künftige Vorschläge verständlicher oder tragfähiger werden. Diese Wirkung setzt allerdings voraus, dass Rückmeldungen mehr enthalten als ein schlichtes „angenommen“ oder „abgelehnt“.

Die Studie zeigt keine Garantie, dass jeder wiederholte Ideenprozess automatisch lernfähiger wird. Sie liefert aber einen empirischen Anknüpfungspunkt für die Annahme, dass die Qualität der Rückmeldung über eine einzelne Idee hinausreichen kann. Wiederholung schafft überhaupt erst die Möglichkeit, solche Erfahrungen in neue Vorschläge einfließen zu lassen.

Zentrale Erkenntnis: Ein Innovationsworkshop kann Ideen erzeugen und Menschen aktivieren. Kontinuierliche Innovation entsteht erst, wenn die Organisation auch nach dem Workshop verlässlich mit Ideen umgehen und aus ihnen lernen kann.

4. Diskussion und Einordnung: Warum Kontinuität nicht Dauerbetrieb bedeutet

Der Begriff „kontinuierlich“ verführt zu einem Missverständnis: Wer ihn mit permanenter Ideengenerierung gleichsetzt, macht aus Innovation eine zusätzliche Daueranforderung. Mitarbeitende sollen dann neben ihren regulären Aufgaben ständig neue Vorschläge liefern. Das kann genau jene Ressourcen erschöpfen, die für sorgfältige Beobachtung, fachliche Arbeit und die Umsetzung guter Lösungen gebraucht werden.

Kontinuität bezeichnet deshalb besser eine Fähigkeit als eine Frequenz. Ein verlässlicher Ideenprozess muss nicht jede Woche eine bestimmte Zahl neuer Ideen erzeugen. Er muss jedoch wissen, wie er reagiert, wenn eine relevante Beobachtung auftaucht, und was mit einem Vorschlag geschieht, wenn er nicht sofort umgesetzt werden kann.

Auch punktuelle Workshops behalten darin ihren Platz. Sie können gezielt eingesetzt werden, um ein komplexes Problem zu strukturieren, widersprüchliche Perspektiven zusammenzubringen oder für eine bestimmte Fragestellung neue Lösungsansätze zu entwickeln. Ihre Stärke liegt in der zeitlichen Verdichtung. Der Anschlussprozess muss anschließend dafür sorgen, dass die Ergebnisse nicht auf Fotos von Post-its reduziert werden.

Nicht jede Idee braucht ein Projekt

Kontinuität darf zudem nicht mit einem automatischen Umsetzungsversprechen verwechselt werden. Eine Organisation, die jede Einreichung in ein Projekt verwandeln wollte, wäre schnell überfordert. Manche Ideen lassen sich unmittelbar als kleine Verbesserung realisieren, andere brauchen weitere Informationen, einige passen nicht zur aktuellen Strategie und manche verweisen auf Probleme, die sich besser durch die Kombination mehrerer Vorschläge bearbeiten lassen.

Entscheidend ist deshalb nicht die Anzahl gestarteter Projekte, sondern die Nachvollziehbarkeit des Umgangs mit Ideen. Eine begründete Entscheidung kann ebenso Teil eines guten Prozesses sein wie ein erfolgreicher Pilot. Wichtig ist, dass die Organisation das Wissen aus Vorschlägen nicht verliert und Ideengeber erkennen können, dass ihre Beiträge tatsächlich bearbeitet wurden.

Ein Innovationskreislauf braucht Rückkopplung

Das klassische Bild einer Pipeline führt eine Idee von der Einreichung zur Auswahl und schließlich zur Umsetzung. Für einen kontinuierlichen Prozess ist dieses Bild unvollständig, denn auch eine abgelehnte, veränderte oder umgesetzte Idee erzeugt neue Informationen. Warum hat der Vorschlag funktioniert oder nicht? Welche Annahme erwies sich als falsch? Welche Beobachtung ist für andere Bereiche relevant?

Ein Lernkreislauf entsteht erst, wenn solche Erfahrungen in spätere Entscheidungen, neue Fragestellungen und weitere Beteiligung zurückfließen. Das ist eine konzeptionelle Ableitung aus den betrachteten Forschungslinien und kein in dieser Form empirisch validiertes Universalmodell. Sie verändert jedoch die Perspektive: Das Ende eines Ideenprozesses ist nicht nur ein Ergebnis, sondern zugleich eine mögliche Quelle neuer Aufmerksamkeit.

5. Bedeutung für das Ideenmanagement: Den Anschluss gestalten

Einen Eingang auch außerhalb des Workshops schaffen

Wenn Ideen ausschließlich in eigens organisierten Veranstaltungen eingebracht werden können, bleibt Beteiligung an deren Rhythmus gebunden. Ein verlässlicher Prozess sollte deshalb einen niedrigschwelligen Weg vorsehen, über den Mitarbeitende auch im Alltag Beobachtungen und Vorschläge einbringen können. Nicht jede Meldung muss bereits ein vollständiger Business Case sein. Oft genügt zunächst eine nachvollziehbare Beschreibung des Problems und eines möglichen Lösungsansatzes.

Reaktion, Weiterentwicklung und Entscheidung trennen

Die erste Rückmeldung bestätigt, dass eine Idee angekommen ist und bearbeitet wird; sie ist noch keine Entscheidung über deren Qualität. Danach kann eine fachliche Klärung oder Weiterentwicklung folgen, bevor eine Priorisierung sinnvoll wird. Wer diese Funktionen vermischt, riskiert, unreife Ideen vorschnell abzulehnen oder jede Eingabe zu lange in einer unklaren Warteschleife zu halten.

Für den Betrieb bedeutet das: Zuständigkeiten müssen erkennbar sein, Bearbeitungskapazitäten realistisch geplant und Entscheidungen dokumentiert werden. Es braucht keine unnötig komplizierte Bürokratie, wohl aber eine verständliche Antwort darauf, wer wann den nächsten Schritt übernimmt.

Feedback so gestalten, dass es auch der nächsten Idee hilft

Eine Ablehnung mit der Begründung „nicht relevant“ hilft wenig, wenn unklar bleibt, weshalb ein Vorschlag nicht zur Fragestellung passt. Konstruktives Feedback kann dagegen erklären, welche Annahme noch unbelegt ist, welche Randbedingung zu beachten wäre oder unter welchen Voraussetzungen eine spätere Wiedervorlage sinnvoll sein könnte. Dadurch wird eine Entscheidung zum möglichen Lernanlass, statt nur einen Vorgang zu schließen.

Die Untersuchung von Lehmann und Kollegen stützt die Bedeutung bestimmter Feedbackformen für den späteren Ideenerfolg. Daraus folgt allerdings nicht, dass möglichst ausführliches Feedback in jeder Situation besser wäre. Rückmeldungen müssen fachlich angemessen, verständlich und für die Beteiligten tatsächlich nutzbar sein.

Workshops mit dem Alltag verbinden

Ein Workshop sollte idealerweise bereits vor Beginn einen geklärten Anschluss haben. Dazu gehören eine verantwortliche Person für die Ergebnisse, ein Weg zur weiteren fachlichen Bearbeitung und eine transparente Information darüber, wann Teilnehmende mit einer Rückmeldung rechnen können. Ebenso sollte nach der Veranstaltung nachvollziehbar bleiben, welche Ideen weiterentwickelt, zusammengeführt, zurückgestellt oder verworfen wurden.

So entsteht aus dem Workshop kein isolierter Sonderfall, sondern ein intensiver Moment innerhalb eines größeren Innovationsprozesses. Das Ereignis kann Aufmerksamkeit und Zusammenarbeit erzeugen, während der Prozess dafür sorgt, dass diese Energie nicht mit dem Abbau der Moderationswände endet.

Gestaltungsprinzip: Workshops gezielt einsetzen, aber den Ideenprozess so gestalten, dass er auch am Mittwoch funktioniert: aufnehmen, reagieren, weiterentwickeln, entscheiden und aus dem Ergebnis lernen.

6. Fazit: Innovation braucht Anschluss

Der Innovationsworkshop am Dienstag kann ein Erfolg sein. Menschen haben gemeinsam nachgedacht, neue Perspektiven kennengelernt und wertvolle Ideen entwickelt. Ob daraus Innovation entsteht, entscheidet sich jedoch häufig erst danach: an der Verfügbarkeit von Ressourcen, an klaren Verantwortlichkeiten, an der Qualität von Feedback und daran, ob die Organisation ihre eigenen Erfahrungen in die nächste Entscheidung einbezieht.

Die Forschung liefert keinen Beleg dafür, dass ein kontinuierliches Format grundsätzlich besser ist als ein punktuelles. Sie zeigt aber, warum Lernen im Workshop nicht mit späterer Anwendung gleichzusetzen ist, weshalb die Umsetzung kreativer Ideen weitere Bedingungen benötigt und wie wiederholtes Feedback über die einzelne Idee hinaus Bedeutung gewinnen kann.

Ein guter Innovationsprozess kann Workshops nutzen, darf aber nicht von ihnen abhängen. Innovation wird nicht dadurch kontinuierlich, dass ständig neue Ideen entstehen, sondern dadurch, dass die Organisation auch mit der nächsten Idee wieder etwas anfangen kann.

7. Was daraus folgt

● Ein Workshop kann Wissen und Selbstvertrauen stärken, ohne spätere Anwendung sicherzustellen. Die randomisierte Untersuchung von Azzolini und Kollegen zeigte Lernfortschritte, aber keine signifikant höhere Absicht, die Methoden anschließend zu übernehmen.

● Feedback kann über eine einzelne Idee hinausreichen. Lehmann und Kollegen fanden Zusammenhänge zwischen bestimmten Feedbackformen und dem späteren Erfolg weiterer Ideen derselben Personen.

◐ Kontinuität bedeutet Verlässlichkeit, nicht permanente Ideengenerierung. Entscheidend ist, ob Ideen auch außerhalb besonderer Veranstaltungen aufgenommen, bearbeitet und nachvollziehbar entschieden werden.

◐ Ein Workshop braucht einen Anschluss. Erst wenn Verantwortlichkeiten, Rückmeldungen und Lernschleifen geklärt sind, kann aus punktueller Beteiligung ein wiederholbarer organisationaler Prozess werden.

● = durch zitierte Forschung direkt gestützte Aussage · ◐ = wissenschaftlich begründete Ableitung

8. Literatur & Quellen

Azzolini, D., Doppio, N., Kraus, S., Mion, L., Russo, I. Q. & Tomelleri, A. (2025). Empowering digital innovation in SMEs: Experimental evidence from design sprint innovation contests. Technovation, 144, 103239. DOI: 10.1016/j.technovation.2025.103239.

Baer, M. (2012). Putting Creativity to Work: The Implementation of Creative Ideas in Organizations. Academy of Management Journal, 55(5), 1102–1119. DOI: 10.5465/amj.2009.0470.

Bessant, J. & Caffyn, S. (1997). High-Involvement Innovation through Continuous Improvement. International Journal of Technology Management, 14(1), 7–28. DOI: 10.1504/IJTM.1997.001705.

Boer, H. & Gertsen, F. (2003). From Continuous Improvement to Continuous Innovation: A (Retro)(Per)Spective. International Journal of Technology Management, 26(8), 805–827.

Lehmann, S. L., Beretta, M., Dao, H. M. & Ebersberger, B. (2025). Are you judging me or my idea? How feedback impacts future idea success in web-based idea management systems. Journal of Product Innovation Management, 42(6), 1019–1043. DOI: 10.1111/jpim.12778.

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